TV-Programm anno 1985: Früher war mehr Katzen-Content

12 Nov

Wer sich über das unfassbar miese TV-Programm aufregt, der weiß vielleicht nicht mehr, wie trist Fernsehen früher war. Ich hatte das auch verdrängt, bis mir unlängst eine “Hörzu” aus dem Herbst 1985 in die Hände fiel.

Hoerzu

Zu diesem Zeitpunkt gab es im Prinzip schon Kabelfernsehen – allerdings nur in wenigen Gebieten. Meine „Hörzu“ stammt aus der dritten Septemberwoche 1985 – da waren Ludwigshafen, München und Dortmund verkabelt – also noch nicht einmal drei Millionen Haushalte. Folglich kann man annehmen, dass der Normalverbraucher sich nochnmit ARD und ZDF beschied, ferner ein drittes Programm, und mit etwas Glück (Ansichtssache) außerdem DDR 1 und 2 empfing.

Am Dienstag, dem 17. September 1985 waren die „Kracher“ des norrdeutschen Programms (aus meiner Sicht):

ZDF, 17.45 – Mein Name ist Hase
Nord 3, 19.00 – Rockpalast-Spezial über Holger Czukay
ZDF, 1930 – Die Fahrten des Odysseus (1954, mit Kirk Douglas)
ARD, 21.45 – Magnum

Bitter, oder? Man muss ergänzen, das die einzige abendliche Alternative zu dem vierzig Jahre alten Douglas-Schinken die Michael-Schanze-Show war. Wer RTL empfing, konnte außerdem noch Knight Rider und danach einen ollen Romie-Schneider-Film („Die Geliebte des Anderen“) gucken.

Fwd: Hoerzu2

Vor allem nachmittags herrschte unfassbare Ödnis: Nord 3 etwa sendete um 8.45 die Gymnastikshow „Wer rastet, der rostet“, um danach nahtlos zum Schulfernsehen überzugehen, das von 9.00 bis 18.30 lief.

Ebenso auffällig wie das dröge Programm sind die riesigen Lücken zwischen den Sendungen. Wir sind es gewohnt, dass immer irgendwas läuft. ARD und ZDF begannen damals aber erst um 9.45 und sendeten dann zunächst bis 13.00 – und zwar beide dasselbe Zeug. Wer vorher einschaltete, sah das hier:

Dann gab es eine Pause bis 16.00. Der Abend endete um Mitternacht mit einer letzten Nachrichtensendung.

Während der Nicht-Sendezeit flimmerte entweder Videotext, das Testbild oder ein Pausenfilmchen, das kleinere Programmlöcher überbrückte, derer es etliche gab. Die ARD zum Beispiel sendete zwischendurch gerne ein paar Minuten lang diesen Clip für Liebhaber historischer Uhren:

Aber den wohl schönsten Pausenfüller hatte der HR. Es heißt ja immer, das Internet bestehe im wesentlichen aus cat content. Dieser Clip beweist jedoch ein für allemal, dass Katzencontent nicht in Kalifornien, sondern in einem Frankfurter Sendestudio erfunden wurde.

Das sechsminütige Video war übrigens eine Low-Budget-Produktion: HR-Bühnenbildner Rudolf Küfner baute die Würfel-Pyramide, in der die Kätzchen spielen sollten. Aber unter den warmen Studiolampen schliefen die Tiere einfach ein. Um sie in Bewegung zu halten, lockten die Redakteurinnen mit Bindfäden und Bällen – die natürlich nicht im Bild sein durften.

Die ganze Historie des Spots gibt es hier.

Eine Antwort to “TV-Programm anno 1985: Früher war mehr Katzen-Content”

  1. rea.d 14. November 2010 um 22:31 #

    Beim Rückblick auf den aus heutiger Sicht bizarr-niedlichen TV-Content vielleicht noch erwähnenswert: Zwischen den letzten Nachrichten und dem Testbild gab es in der ARD ab 1985 ja noch die Nachtgedanken mit Hans Joachim Kulenkampf.
    Ich hatte damals übrigens einen Fernseher, der sich automatisch ausschaltete, wenn kein Programm mehr lief (falls man vorm Fernseher eingeschlafen war, was wegen der Nachtgedanken und dem Katzencontent natürlich öfter vorkam). Funktioniert bei der Dauerbeschallung heute leider nicht mehr 😉

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